top of page
190424_fair-fashion.jpg

Fair Fashion - nicht immer das Beste

Warum? Neue Produkte herzustellen verbraucht Ressourcen und Energie und produziert Abfälle. Das muss nicht sein: Viele bereits hergestellte Klamotten suchen neue Besitzer - schaut euch also ruhig zuerst bei den Second-Hand-Klamotten um, bevor ihr etwas neues kauft. Die Natur wird es euch danken!

Fair Fashion in München

Wer in München Fair Fashion kaufen will, der hat es ohne Recherche gar nicht mal so leicht. Läden, die explizit fair produzierte Mode führen, sind rar gesät. Faire Klamotten werden zwar auch in "konventionellen" Geschäften und Modehäusern verkauft, aber dies ist meist von außen nicht erkennbar.

Wir wollen euch auf dem Weg zur fair produzierten Mode helfen - und zeigen euch deswegen Münchner Läden, die Fair Fashion anbieten.

Warum Fair Fashion?

In Zeiten, in denen selbst C&A, H&M und Co. eigene Bio-Linien haben, stellt sich die Frage, ob man tatsächlich mehr braucht. Schließlich sind die alternativen Fair-Fashion-Marken ohnehin eher was für Alt-Hippies der 60er, oder? Und auf den Klamotten bei den Moderiesen sind doch auch immer allerlei Siegel, ist doch super! Und der Preis ist ja gar nicht höher als normal - ein unschlagbares Angebot also? Ihr seht es kommen: Nein.

 

Die meisten großen Modeketten beachten bei ihren Bio-Produkten lediglich lasche Siegel-Normen wie das OCS (Organic Cotton Standard). So kann es trotz Bio-Siegel durchaus der Fall sein, dass die angeblich tolle Bio-Baumwolle aber dennoch mithilfe von allerlei Chemikalien und Co. Angebaut wurde. Laut utopia.de sind beispielsweise bei C&A nur ca. 20% der genutzten Bio-Baumwolle mit dem strengen GOTS-Siegel ausgezeichnet (Global Organic Textile Standard).

 

Doch was hat das alles mit Fair Fashion zu tun? Gar nichts. Denn selbst, wenn ein Produkt von H&M mit einem GOTS-Siegel ausgezeichnet und mit 100% Bio-Baumwolle hergestellt wurde, heißt das nicht, dass es auch Fair Fashion ist. Ihr werdet wohl in den allerwenigsten Fällen neben einem Bio-Siegel auch ein Fair-Trade Siegel oder ähnliches finden. Die Bio-Produkte ohne solche Zertifikate können also genauso unter schlechten Arbeitsbedingungen, niedrigen Löhnen für Beteiligte usw. produziert werden. Das gilt aber nicht nur für H&M und Co., sondern alle Hersteller. Wenn ihr also wirklich fair hergestellte Klamotten kaufen wollt, achtet unbedingt darauf, dass die Waren entsprechende Siegel haben.

 

Natürlich gibt es auch faire Mode, die keine expliziten Siegel erhalten. Das passiert, wenn die Hersteller nicht genug Geld haben, um sich zertifizieren zu lassen. Wenn ihr bei solchen Marken nicht klar erkennt, wie sie ihre Ware herstellen, ist es im Zweifel wohl keine Fair Fashion. Fragt aber am besten einfach direkt nach, wenn ihr mehr über die Herstellung erfahren wollt.

 

Generell gilt also auch bei Klamotten mit GOTS-Siegel: Je nach Hersteller kann das Produkt mehr oder weniger fair sein. Das kommt immer darauf an, wie weit die Marken noch freiwillig über die Siegel hinausgehen wollen. Manche Marken legen ihre Wirkungskette offen, andere nicht. Wie immer gilt aber: Bei allem, das keine Siegel vorweist, ist das Risiko von falscher Darstellung größer. Ihr macht also prinzipiell nichts falsch, wenn ihr euch primär an den bekannten Siegeln orientiert. Eine Übersicht über Fair-Trade-Siegel findet ihr bei eatsmarter.de.

 

Produkte mit Fair-Trade-Siegel sind gut! Oder?

Bislang werden Fair-Trade-Symbole hauptsächlich verwendet, wenn bei der Produktion oder dem Anbau von Rohstoffen Menschen in armen Ländern mit einbezogen wurden. Wird ein Produkt beispielsweise vom Anbau bzw. Abbau der Bestandteile bis zur Auslieferung komplett in Deutschland produziert, wird meist kein Fair-Trade-Siegel verwendet. Warum? Hierzulande gelten ganz andere Standards bezüglich Arbeitnehmerschutz usw., weswegen davon ausgegangen werden kann, dass hier (vergleichsweise) faire Bedingungen vorliegen. Daher ist ein Produkt ohne entsprechendes Siegel also nicht unbedingt weniger fair als eines mit. Solange keine gesetzlichen Standards für faire Produkte gelten (wie z. B. bei Bio-Produkten), muss man also immer abwägen, was wohl fairer produziert ist. Vor allem, weil es immer wieder Skandale um Verfehlungen von Fair-Trade-Zertifikaten gibt.

 

Im Gegensatz zu Begriffen wie "Bio", "biologisch" oder "ökologisch" sind "fair", "Fair Trade" und "Fairer Handel" nicht gesetzlich geschützt. Sprich: Jeder kann mit solchen Slogans werben, ist aber nicht verpflichtet, bindende Standards einzuhalten. Ein mit "Fairer Handel" beworbener Artikel von Aldi kann also unfairer produziert sein als dasselbe Produkt aus einer kleinen heimischen Manufaktur, die kein Siegel aufweist. Somit seid ihr also gefragt, wenn es um das Einschätzen über den Fairness-Grad in der Herstellung geht. Ihr wollt noch mehr zum Thema Fair Trade wissen? Dann empfehlen wir euch einen guten Artikel der Verbraucherzentrale.

 

 

Fair Fashion, Bio und Umweltschutz

Faire Produktion und Verwendung von Bio-Produkten geht zwar manchmal Hand in Hand, hängt aber erst einmal überhaupt nicht zusammen. Wie oben erwähnt, müssen Bio-Produkte nicht fair hergestellt sein und anders herum. Und die beiden Kriterien wiederum hängen nicht unbedingt mit einer ressourcen-, energie- und umweltschonenden Produktion und Logistik zusammen. Sprich: Auch biologisch angebaute und fair gehandelte Baumwollprodukte können extrem viel Energie verbrauchen, per Luftfracht um die halbe Welt verschickt werden und dreifach in Plastik verpackt sein. Wer also auf fair hergestellte Bio-Mode steht, die wenig Ressourcen verschwendet, wenig Energie verbraucht, ohne umweltschädigende Verpackung auskommt und emissionsarm transportiert wird, muss viel beachten. Und dabei ist das noch nicht einmal alles auf dem Weg zum bestmöglichen Fair-Fashion-Produkt...

 

Fazit

Euch brummt schon der Kopf? Uns auch. Doch je mehr Leute sich über faire Mode Gedanken machen, desto besser! Ihr fragt euch bestimmt auch, ob es nicht auch einfacher sein kann, faire Mode zu bekommen. Das geht - sogar deutlich billiger und nachhaltiger: Second-Hand kaufen. 

bottom of page